Gründung von Waldgirmes

Erste urkundliche Erwähnung am 17. Juni 771 im Codex Laurishamensis, Seite 187, Absatz 5 („15. Kalender des Juli im 3. Regierungsjahr des Königs Karl“). In einem Hubenregister (Güterverzeichnis) des Klosters Lorsch wird "Waldgermize" mit vollem Namen erwähnt. Zwischen 780 und 802 erfolgt eine Schenkung an das Kloster Fulda.

Ortsteil Waldgirmes 2001
Ortsteil Waldgirmes 2001

Etymologie

„Wald': ist ein altgermisches Wort. Die zweite Silbe "germizer" ist abgeleitet von metze, was so viel wie dunkel. bedeutet und keltischen Ursprungs ist. In der Gemarkung Waldgirmes gibt es zwei Bachläufe, die in früherer Zeit "Metzebach genannt wurden; auch gibt es das Metzebachs-Wäldchen. Bei der Flurbereinigung 1928 bis 1932 erfolgte die Umbenennung der Bachläufe in Haustädter- und Schwarzbach (schwarz = dunkel). Letztlich sagt man nur in Waldgirmes zu den Kellerlöchern „Metzelöcher“ (dunkle Löcher).

Archäologische Nachweise

1. Aus der Bandkeramikerzeit (= 4600 – 3800 v. Chr.) ca. 800 Scherbenfragmente, Steinwerkzeuge und mehrere Wohngruben südlich der heutigen Ortslage (Nachweis: „Die frühesten Bauern im Lahntal“ von Dr. Jürgen Kneipp).

2. Siedlungszeugnisse aus der Schnurkeramikerzeit (= um 2500 v. Chr.).

3. Keltisches Gräberfeld im römischen Stützpunkt, das größte Hessens, ca. 300 v. Chr.

4. Ziviler römischer Stützpunkt am westlichen Ortsrand des heutigen Waldgirmes, um Christi Geburt. Seit 1995 durchgeführte archäologische Grabungen haben den ersten Nachweis für die Gründung einer zivilen römischen Stadt in Germanien nördlich der Alpen und östlich des Rheins erbracht. Zu besichtigen sind die ältesten Steinfundamente Deutschlands, einstmals ein römisches Forum, die weltweit einzigen Fragmente einer lebensgroßen bronzevergoldeten Reiterstatue des Kaisers Augustus und zahlreiche Schmuck- und Gebrausgegenstände, für die keine Vergleichsstücke bekannt sind. An Hand der Keramikfunde ist das friedliche Zusammenleben von Römern und Germanen belegt. Die römische Stadt wurde einige Jahre vor Christi Geburt gegründet und nach der Niederlage der Römer in der Schlacht im Teutoburger Wald (9 n. Chr.) aufgegeben.

Literatur in folgenden Sprachen liegt vor: Deutsch, englisch, französisch, polnisch und niederländisch, ab 2005 auch russisch.
 

Waldgirmes

1104 war dem Grafen Otto von Gleiberg die westliche Hälfte der Grafschaft Gleiberg zugefallen, zu der Waldgirmes gehörte. 1129 oder 1141 heiratete Otto die Erbtochter des Grafen von Solms. Sein Herrschaftsgebiet brachte er in die Solmser Besitzungen ein und nannte sich fortan Graf Otto von Solms.

1255 wurde die Grafschaft Solms unter den Brüdern Heinrich und Marquard aufgeteilt. Marquard, der sich schon um 1240 in Königsberg eine eigene Residenz errichtet hatte, bezeichnete sich nunmehr als Graf von Solms-Königsberg. Waldgi rm es gehörte auch zu seiner Herrschaft. Graf Philipp, das letzte männliche Glied dieser Dynastie, verkaufte 1350 seine Besitzungen an den Landgrafen Heinrich Il., den Eisernen von Hessen. Der Kaufvertrag soll auf dem Königstuhl abgeschlossen worden sein. Erst 1629/1631, also fast 300 Jahre später, wurde dieser Teilungsvertrag durch den Kaiser genehmigt. In den drei Jahrhunderten zuvor waren die Waldgirmeser darum »Zweier Herren Untertan«, d.h. sie mussten an zwei Herren Zehntabgaben leisten.

Heimatmuseum Waldgirmes
Heimatmuseum Waldgirmes

Historisches Fachwerk in Waldgirmes

Historisches Fachwerk in Waldgirmes


"Zur Linde"
"Zur Linde" in Waldgirmes


 

 

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