Römer & Kelten

 
Römer & Kelten

Römische Stadtgründung

Die Errichtung der westlich des heutigen Lahnau-Waldgirmes gelegenen antiken römischen Stadt (ca. 4 v. Chr. bis 16 n. Chr.) war der Versuch der damaligen römischen Weltmacht, das gerade eroberte germanische Gebiet durch den Aufbau einer Verwaltung zu kontrollieren und den „Barbaren“ durch friedlichen Handel, den Austausch von Waren sowie die Einführung und Durchsetzung der eigenen Gerichtsbarkeit die römische Kultur näher zu bringen.

Die zum Aufbau der Stadt – dem Bau einer Umwehrung, von Wohnhäusern, Werkstätten und Lagerhäusern – sowie dem großen zentralen Forum als Verwaltungsgebäude notwendigen Materialien holten sich die Römer überwiegend aus den heimischen Wäldern und Steinbrüchen. Jedoch wurden bei den archäologischen Ausgrabungen der letzten Jahre auch Objekte entdeckt, die von den Römern auf langen Transportwegen bis nach „Waldgirmes“ gebracht worden sein müssen:

  • So fanden für die Fundamente der Reiterstatuen gewaltige Blöcke aus Muschelkalkstein Verwendung, die aus lothringischen Steinbrüchen stammen,
  • die als vergoldeter Bronzeguss gefertigte Reiterstatue des Kaisers Augustus wurde zu Beginn unserer Zeitrechnung vermutlich in einer süditalienischen Werkstatt gefertigt,
  • das als unterstes Brunnenteil gefundene Weinfass mit einem Fassungsvermögen von ca. 1.200 Litern enthielt vermutlich Wein aus südfranzösischen oder italienischen Regionen.
 

Römisches Forum Waldgirmes – Roms Stadt an der Lahn

"Germanien habe ich befriedet." Diese Worte von Kaiser Augustus waren in der althistorischen Fachwelt lange umstritten, bis Ende der 1980er Jahre bei Feldbegehungen römische und germanische Scherben aus der Zeit der römischen Eroberungszüge nach Germanien um Christi Geburt gefunden wurden. Bei den sich anschließenden Grabungen wurde eine ca. acht ha große Siedlung am Ortsrand des heutigen Waldgirmes entdeckt. Von diesem Ort aus sollte das neu erschlossene Gebiet östlich des Rheins verwaltet und versorgt werden. Die Besonderheit einer zivilen Stadtgründung veranlasste die Römisch Germanische Kommission von 1996 bis 2009 Grabungen durchzuführen, finanziert als seltenes Langzeitprojekt von der Deutschen Forschungsgesellschaft. 

Die politische Bedeutung, welche die Römer dieser Stadtgründung zumaßen, wird u.a. durch die Funde von Bruchstücken einer lebensgroßen Reiterstatue aus vergoldetem Bronzeguss belegt, welche im Innenhof des Forums stand und mit hoher Wahrscheinlichkeit Kaiser Augustus zeigte. Bestätigt wurde diese Annahme durch den spektakulären Fund eines bronzenen Pferdekopfes im August 2009, worüber international berichtet wurde. Die Stadtgründung lässt sich auf 3-4 v. Chr. datieren und war bis ca. 9 n. Chr. bewohnt. Nach derzeitigen Erkenntnissen wurde die Siedlung im Rahmen der Germanicus-Feldzüge noch einmal in Teilen bis 16 n.Chr. militärisch genutzt.

 

Der Förderverein - wir stellen uns vor:

Wir vom Förderverein Römisches Forum Waldgirmes e.V. unterstützen seit 1995 die Ausgrabungen und setzen uns für die Vermittlung der spektakulären Ergebnisse ein. Zu unseren Angeboten zählen Führungen, römische Kochkurse, Schmuck- und Schminkkurse und Veranstaltungen. Besonders am Herzen liegt uns die Vermittlung der historischen Hintergründe für Kinder durch eigens dafür entwickelte pädagogische Angebote, wie die Kindergruppe „RöMinis“. Darüber hinaus erarbeiten wir in wissenschaftlichen Projekten z.B. den Nachbau eines römischen Lastschiffes oder rekonstruieren römische Kostüme. Seit Kurzem arbeitet unsere Legionärsgruppe „Legio I GERMANICA“ an der Rekonstruktion militärischer Ausrüstungen und der Nachahmung römischen Handwerks.